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Es gibt Orte an denen man sich so richtig wohlfühlt und man gerne ist. Meistens sind es die eigenen vier Wände. Manchmal kann auch eine Kneipe zum zweiten Wohnzimmer werden. Eben solch ein zweites Zuhause war das Café Garbáty in Berlin Pankow. Doch seit heute gehört das der Vergangenheit an. Ein persönlicher Nachruf.

Ich kannte das Garbáty schon bevor ich Pankow kannte und hier herzog. Das lag an Jana, die damals mit einem meiner Onkel verheiratet war und in diesem Laden arbeitete. Und obwohl Jana nur anderthalb Jahre älter ist als ich, war sie fortan „die Tante“. Die Tante und der Onkel feierten ihre Hochzeitsparty im Café G. und wir enterten zum ersten Mal die Lokalität. Es war noch nicht alles fertig und es sah etwas gewöhnungsbedürftig aus. Der Tresen war noch ein Provisorium und überall waren noch Kleinigkeiten auszubessern. Es war ja schließlich ein altes Haus. Da hat man immer Baustelle. Und obwohl das alles auf den jungen Kleinstädter aus der Provinz etwas ranzig wirkte, hinterließ der Ort einen angenehmen Eindruck. Das Virus war geimpft.

Es folgte eine Jahresendparty und mehrere Besuche und bald darauf zogen wir nach Pankow. Ganz in die Nähe vom Café G. (500 Meter – höchstens). Ich fing an im Laden auszuhelfen und machte etwas Facility Management und es folgten erste Einsätze als Einlasser bei Veranstaltungen. Nebenbei machte ich meine Weiterbildung, denn eine hauptberufliche Beschäftigung im Gastrobereich kam für mich nicht in Frage. In dieser beruflichen Weiterqualifikation erlernte ich auch das Erstellen von Internetseiten und es dauerte nicht lange und ich konnte Wolf, dem Betreiber des Cafés, davon überzeugen, eine Webseite zu erstellen. Die Homepage www.cafe-garbaty.de war geboren. Bald darauf machte ich noch das Programm mit und schickte es an die Presse. Das ging dann erst einmal eine Weile so weiter bis mein erstes Kind auf die Welt kam. Ich nahm mir erst einmal eine Garbáty-Auszeit, konnte aber nicht lange ohne aushalten. Ich übernahm wieder Flyer sowie Webseite und irgendwann, als unsere Tochter etwas größer war, gewöhnten wir uns an, fast jeden Tag nach dem Feierabend und vor dem Sandmann auf eine Stunde im Laden vorbei zu schauen um die Tante zu besuchen. Als das Kind noch älter war gingen wir auch wieder zu DJ Axel. Das war einmal im Monat und war Disco für Große. Ohne Mainstream, mit einem Publikum zwischen 25 und 65 Jahren. Das war immer richtig geil.

Alles war schön und es herrschte Friede, Freude, Eierkuchen. Aber nur dem Anschein nach. Im Hintergrund liefen ein paar Dinge nicht so wie sollten. Ich möchte hier jetzt auch gar nicht näher darauf eingehen. Jedenfalls hieß auf einmal, dass das Café G. raus soll und alles nun vorbei ist. Freunde des Cafés gründeten einen Verein und kämpften fortan für den Erhalt. Es gab Aktionen und Demonstrationen. Solidaritätskonzerte und Unterstützungs-Merchandising. Wer möchte, kann sich darüber auf der Vereinshomepage www.garbaty-verein.de Infos holen. Dort sind auch die Hintergründe näher beschrieben. Klar war aber: Es ist alles nur ein Spiel auf Zeit. Die Uhr tickt und irgendwann in naher Zukunft heißt es – Feierabend. Für immer. Dieses „Irgendwann“ wurde bald konkret: 01. Februar 2009. Keiner wollte es so richtig glauben. Und doch war es nun unabwendbar. Die letzte Woche war schlimm. Nach und nach wurde alles abgebaut und weggebracht. Freitag und Samstag die letzten Parties. Gestern habe ich auch noch einmal mit angepackt und geholfen. Und dann war das Wohnzimmer weg.

Heute waren wir ein allerletztes Mal da, haben eine Traueranzeige am Zaun angebracht und ein paar Trauerlichter angezündet. Noch einmal zehn Minuten rein um Hallo und auch gleich wieder Tschüß zu sagen. Die Tante war auch nicht da. Und Wolf war nicht gut drauf. Wir sind es auch nicht und trauern in aller Stille.

Danke an: Wolf, Jana, Maria, Norman, Max, Jörgen, Axel, Katja, Nadja, Mügge, Ilka, Anja, Dan, Stefan, Alex, Nicolé, Inna und alle anderen, die mir jetzt nicht einfallen.

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4 Reaktionen to “Nachruf: Das Café Garbáty in Berlin Pankow hat geschlossen – für immer”

  1. Anonymous:

    Mein Beileid!

    Vorallem für die Kneipenkinder, auf dass sie nicht gänzlich auf sozial und kulturelle Höhepunkte verzichten müssen…
    ALI

  2. Anonymous:

    Als würde einem Jemand das Herz zerfetzten…
    Nach diesen bewegenden Zeilen sich dann auch noch die Bilder anzusehen, tut echt weh. Fehlt nur noch "time to wonder" als Hintergrund-Musik und der Schmerz wäre perfekt.

    Auch Du, lieber Christian, Webmaster und Cousin, verdienst ein DANKE!

    Bis zur nächsten Session,
    Maria

  3. Anonymous:

    Wie heißt es so: Die Guten gehen immer zu erst.

    In dem Sinne,

    Amen!

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